73. Festival Internacional de Folclore em Straznice

Das 73. internationale Folklorefestival in Straznice

Obwohl wir es schon seit einigen Monaten wussten, dass die Böhmerwald Sing- und Volkstanzgruppe München zum 73. internationalen Folklorefestival in Straznice – auf Deutsch Straßnitz – fahren würde, hatten zwei Mitglieder Schwierigkeiten, Urlaub vom Chef zu bekommen. Das war aber sicherlich nicht das Einzige, was an dem Wochenende für spannende Momente sorgte.

Wir fuhren am 22. Juni um 08.00 Uhr in München los und aßen in Österreich zu Mittag. Circa 17.30 kamen wir in Hodonin, ca. 19 Kilometer von Straznice entfernt, an. Dort wurden wir in einem Internat untergebracht – ein Wohnheim der Mittelschule – und jeweils drei Leute teilten sich ein Zimmer und zwei Zimmer ein Bad. Die Gelegenheit überhaupt, um ein Internat kennenzulernen. Nachdem wir den Ort und die Zimmer erkundet hatten, warteten wir auf die Person, die uns zu diesem Festival vermittelt hatte: Tomas Spurny. Er kam gerade als wir uns entschieden hatten, einmal alle Tänze, die wir auf dem Festival tanzen würden, zu proben. Also verschoben wir unser Vorhaben.

Wir fuhren mit dem Bus Richtung Straznice zum Schlosspark. Dort mussten alle warten bis die Formalitäten erledigt waren, um freien Eintritt zu bekommen. Dadurch dass es relativ kalt an dem Abend war, hatten nur Wenige noch Lust nach dem Abendessen durch den Schlosspark zu gehen. Aber im Wohnheim saßen die Meisten noch zusammen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück war eine Probe angesagt, aber die kam erst ein wenig später zustande. Um 11.30 fuhren wir zum Park, in dem die Veranstaltung stattfand. Dort aßen wir zu Mittag und gingen spazieren, einige schauten sich noch das Schloss an. Außerdem waren die gebotenen Auftritte im Park hoch interessant. Jeder schaute sich das an, wonach er Lust und Laune hatte. Natürlich mussten einige einen Kaffee kaufen, denn ohne den Genuss von Kaffee kann der Tag nicht wirklich beginnen. Zum Frühstück gab es nur Tee, weil die Mensa des Wohnheimes eigentlich für Schüler ist.

Wir hatten eine bestimmte Uhrzeit und einen bestimmten Ort ausgemacht, an dem alle sich treffen sollten, um gemeinsam zum Umzug in der Innenstadt zu gehen. Das funktionierte nicht so richtig und wir machten uns alleine auf dem Weg. Nach einem langen Umweg kamen wir fast zu spät zum Anfang des Umzugs. Dadurch konnten wir aber auch einige Trachten sehen, die wir sonst gar nicht hätten sehen können.

Es war sehr interessant, denn wir waren die einzige Gruppe, die während des Umzugs spontanen Beifall bekam und man sah auch, wie interessiert die Zuschauer an unserer Tracht waren. Die Leute waren freundlich, winkten zurück, schauten uns an und lächelten genauso wie wir. Erst später erfuhr ich, dass unsere Gruppe die erste Gruppe aus dem Sudetenland ist, die dort auftritt. Das ist ein wichtiges Detail, wenn man bedenkt, wie geschichtsträchtig die Beziehung zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik ist.

Dann kehrten wir zurück zum Gelände, um die Stände anzuschauen, etwas zu kaufen, zu trinken, zu essen, spazieren zu gehen oder weitere Auftritte zu sehen. Es machte unheimlich Spaß den Leuten zuzuschauen. Jeder hatte was zum Vortanzen und Vorspielen. Erzählen wäre schon schwieriger zu verstehen gewesen, denn man konnte sich nicht wirklich auf Deutsch oder Englisch verständigen.

Das zeigte sich dann auch nach dem Abendessen in dem Moment, in dem wir zum Amphitheater zur Generalprobe mussten. Es war gar nicht so leicht zu finden, aber ein Handy mit Googlemaps kann sehr hilfreich sein. Wenn alle Stricke reißen, kann man immer noch darauf zurückgreifen. Die Generalprobe fiel dann aus, aber das war kein Problem. Die Techniker behaupteten, dass alle Mikrofone schon für Chor und Tänzer eingestellt und einsatzfähig seien.

Bei unserem Auftritt lief alles gut: Wir sangen und tanzten gut. Nur bei den Tänzen, bei denen wir gleichzeitig singen und tanzen sollten, war das Tempo letztendlich ein wenig zu schnell. Dennoch haben die Musiker gut für uns gespielt. Tomas Spurny erzählte den Zuschauern etwas zu jedem Tanz und zu jedem Lied. Ich gebe zu, dass ich sehr gern gewusst hätte, was er alles sagte, aber meine nicht vorhandenen Kenntnisse in der tschechischen Sprache halfen nicht. Immerhin versicherte er uns, dass er alle Strophen des Wulda Liedes auf Tschechisch vorlas und den Komponisten Alois Milz erwähnte.

Was wir tanzten? Krummauer, Rutsch hi rutsch her, Steirischer aus dem Böhmerwald, Mei Diandl is launi und Spinnradl. Was wir sangen? Auf d’Wulda und Tief drin im Böhmerwald.

Die Gruppenmitglieder waren schon aufgeregt, einige mehr, andere weniger, aber am Ende lief alles gut und wir hatten einen tollen Auftritt – auch wenn einiges nicht nach Plan lief. Wenn man aus Brasilien kommt – wie das der Fall bei Claudia und mir ist – hat man wenig Probleme mit fehlender Planung, denn wir wussten, dass es funktionieren würde. Unsere Einstellung hat sich als richtig bewährt: Wir hatten Spaß beim Auftritt und es gab so manche Situation zum Lachen.

Danach machten wir noch einen kurzen Spaziergang, kauften Wein zum gemeinsamen Abend im Internat in Hodonin und fuhren zurück mit dem Bus.

Am nächsten Morgen hieß es packen und schnell frühstücken, denn um 09.00 würde die Messe beginnen. Leider fuhren wir zu spät los, was zum Ergebnis hatte, dass wir vor der Kirche standen und nicht mehr hineinkamen, weil diese überfüllt war. Wir konnten gar nicht mehr eintreten.

Deswegen beschlossen wir, wieder in den Schlosspark zu gehen und den Vormittag dort zu verbringen. Das Mittagessen gab es wieder auf dem Gelände. Das Essen war übrigens sehr gut, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Leute dort bedient wurden. Kurz nach 13.00 Uhr fuhren wir los und kamen in München am späten Abend an.

Jetzt hoffen wir, dass die Aufnahme für die Fernsehsendung in Tschechien auch in Deutschland zur Verfügung stehen wird, auch wenn wir kein Wort verstehen werden. Aber so schnell kann man eine Sprache nun mal nicht lernen.

Verfasserin: Elisangela Leitzke – Mitglied der Böhmerwald Sing- und Volkstanzgruppe München

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